Frag eine KI nach deinem eigenen Unternehmen. Ein Selbsttest in 20 Minuten.
Was antwortet eine KI, wenn jemand nach einem Anbieter wie dir fragt? Fünf Fragen, vier Prüfpunkte und ein klarer Blick auf die eigene Website.
Warum das gerade jetzt zählt
Wer heute einen Handwerker, einen Zulieferer oder eine Software sucht, landet nicht mehr zwangsläufig bei zehn blauen Links. Immer häufiger steht am Anfang eine Frage an einen Assistenten – und am Ende steht nicht eine Liste, sondern eine Antwort. Diese Antwort entsteht über dein Unternehmen, ob du dich daran beteiligst oder nicht. Zusammengesetzt wird sie aus dem, was das System findet: deiner Website, Branchenverzeichnissen, Bewertungsportalen, alten PDFs, Pressemitteilungen von vorgestern.
Der Unterschied zur Suchmaschine ist entscheidend. Bei zehn Treffern gleicht der Suchende selbst ab. Bei einer einzigen Antwort übernimmt er meistens, was dort steht. Und anders als bei Rankings musst du auf das Ergebnis nicht wochenlang warten: Du kannst es in zwanzig Minuten selbst nachsehen.
Dass sich hier gerade ein neuer Kanal bildet, zeigt auch OpenAI: Das Unternehmen testet inzwischen Werbung direkt in ChatGPT. Bevor man über Anzeigen nachdenkt, lohnt sich aber der Blick darauf, was solche Systeme heute schon über das eigene Unternehmen sagen.
So machst du den Test
Öffne einen Assistenten deiner Wahl – ChatGPT, Claude oder Gemini – und stelle nacheinander diese fünf Fragen. Wichtig: für jede Frage ein neuer Chat, damit die vorherige Antwort die nächste nicht färbt. Am besten abgemeldet oder im privaten Fenster, sonst antwortet das System auf dich statt auf einen Fremden.
- Was macht [Firmenname] aus [Ort]?
- Welche Leistungen bietet [Firmenname] an, und für welche Art von Kunden?
- Wer sind Alternativen zu [Firmenname] in [Region]?
- Ich suche [deine Leistung] in [Region]. Wen würdest du empfehlen?
- Was könnte gegen eine Zusammenarbeit mit [Firmenname] sprechen?
Frage vier ist die eigentlich wichtige, weil dein Name darin nicht vorkommt. Sie zeigt, ob du überhaupt im Blickfeld auftauchst, wenn jemand dein Angebot sucht, aber dich noch nicht kennt. Frage fünf ist die unangenehme: Sie fördert zutage, welche Einwände ein System aus öffentlich verfügbaren Informationen über dich zusammensetzt.
Zwei Einschränkungen dazu, sonst liest man das Ergebnis falsch. Die Antworten schwanken von Durchlauf zu Durchlauf, ein einzelner Ausreißer sagt wenig – deshalb jede Frage an mindestens zwei Assistenten stellen. Und das Ergebnis ist eine Momentaufnahme, keine Bewertung deines Betriebs. Es beschreibt, was über dich auffindbar ist, nicht, wie gut du arbeitest.
Worauf du bei den Antworten achtest
Kopiere alle Antworten in ein Dokument und gehe sie mit vier Fragen durch:
- Stimmt es? Leistungen, Standorte, Ansprechpartner, Zuständigkeiten. Jeden Fehler notieren, auch die kleinen.
- Fehlt etwas? Vor allem: Fehlt der Geschäftsbereich, mit dem du tatsächlich Geld verdienst, oder das, was dich von anderen unterscheidet?
- Woher kommt es? Wenn Quellen genannt werden: sind es deine eigenen Seiten oder Dritte – Verzeichnisse, Portale, veraltete Einträge?
- Tauchst du auf? Bei der Empfehlungsfrage ohne deinen Namen. Wenn nein: Wer stattdessen, und was steht bei denen anders auf der Website?
Aus diesen Notizen entsteht fast von allein eine kurze Liste. Häufig stehen darauf selten technische Punkte, sondern Sätze, die auf der eigenen Website fehlen: für wen genau ihr arbeitet, welche Regionen ihr abdeckt, was ihr ausdrücklich nicht macht. Das ist unspektakulär – aber es ist die Grundlage, auf der jedes dieser Systeme seine Antwort baut.
Ein Gedanke zum Mitnehmen
Die meisten Fehler in solchen Antworten stammen nicht aus der KI, sondern von der eigenen Website. Wer dort klar schreibt, was er für wen macht, korrigiert damit ein Dutzend Systeme auf einmal.