Schatten-KI: Deine Mitarbeiter nutzen KI vielleicht längst. Weißt du, wofür?
Meine Gedanken dazu
Viele Beschäftigte nutzen KI-Tools, die der Arbeitgeber nicht bereitgestellt hat. Die interessantere Frage ist, warum.
Was ist passiert?
Das Institut der deutschen Wirtschaft hat in einer repräsentativen Befragung von rund 5.000 Beschäftigten untersucht, wie verbreitet sogenannte Schatten-KI ist. Von den 2.793 Befragten, die KI beruflich nutzen, verwenden 29,1 Prozent auch Anwendungen, die ihr Arbeitgeber nicht bereitgestellt hat. In Betrieben mit weniger als 50 Beschäftigten sind es 33,5 Prozent, in Unternehmen ab 250 Beschäftigten 25,5 Prozent. Wichtig für die Einordnung: Gemeint sind KI-Nutzende, nicht alle Beschäftigten. Und nicht bereitgestellt heißt nicht automatisch verboten, sondern außerhalb der betrieblichen Kontrolle.
Meine Einordnung
Interessant finde ich an dieser Studie, dass die Mitarbeiter beim Thema KI offenbar häufig schneller sind als ihre Unternehmen. Der überraschendste Befund steckt aber weiter hinten: Wo Beschäftigte eine starke Förderung ihrer KI-Kompetenzen durch den Arbeitgeber wahrnehmen, nutzen 44,5 Prozent auch nicht bereitgestellte Tools, ohne wahrgenommene Förderung sind es 21,3 Prozent. Die Studie zeigt dabei einen Zusammenhang, keine Ursache. Naheliegend ist trotzdem eine Lesart: Wer Mitarbeiter zum Ausprobieren ermutigt, ihnen aber keine passenden Werkzeuge gibt, darf sich nicht wundern, wenn sie sich selbst welche suchen. Schatten-KI ist dann weniger ein Disziplinproblem als ein Hinweis auf einen Bedarf, den die offiziellen Werkzeuge nicht decken.
Was bedeutet das für den Mittelstand?
Gerade kleine Betriebe haben selten eine KI-Richtlinie oder jemanden, der Werkzeuge prüft und freigibt. Ein typischer Fall: Jemand bereitet ein Kundenangebot mit seinem privaten KI-Zugang vor. Die Absicht ist gut, aber welche Kundendaten dabei eingegeben werden und welche Nutzungsbedingungen gelten, weiß im Betrieb niemand. Genau diese Risiken nennen auch die Autorinnen: Datenschutz, Geschäftsgeheimnisse, Compliance. Ihre Empfehlung ist bezeichnend: Kompetenzaufbau und die Bereitstellung passender Werkzeuge gehören zusammen. Ein Verbot allein löst das Problem nicht, es macht es nur unsichtbarer.
Ein Gedanke zum Mitnehmen
Bevor du über neue KI-Tools entscheidest, frag dein Team, welche es heute schon nutzt – und wofür. Die Antwort zeigt dir, wo der eigentliche Bedarf liegt.


